Seit Januar 2009 führt Qashif Ismaili zusammen mit seiner Frau das Restaurant Park mit grosser Leidenschaft. Er ist Gastronom mit Leib und Seele.
Flawil. Es ist ein wunderschöner Sommermorgen. Auf der Terrasse des Restaurants Park gönnen sich die Gäste einen Kaffee oder ein erfrischendes Getränk. Auch «Oma», der erste Gast bei der Eröffnung des Restaurants, geniesst die Sonne in ihrer Stammbeiz. «Sie ist so oft bei uns, dass sie schon zur Familie gehört. Deshalb nennen wir sie Oma», erzählt Qashif Ismaili.
Via Bündnerland nach Flawil
Wer schon im Restaurant Park gegessen hat, mag sich wundern, weshalb ein albanischer Gastwirt Bündner Spezialitäten anbietet. Wer Qashif Ismailis Geschichte kennt, weiss, warum dem so ist. Ismaili ist Albaner, er stammt aus Mazedonien. 1981 kam er zum ersten Mal in die Schweiz. Damals war er 16 Jahre alt. Es gefiel ihm sehr gut. Er musste aber zurück nach Mazedonien. Nachdem er den Militärdienst geleistet hatte und die Tumulte in Mazedonien begonnen hatten, beschloss er, in die Schweiz auszuwandern. In Valbella arbeitete er zunächst als Hilfskraft in einer Bäckerei.
Dank der Hilfe seiner Arbeitgeber lernte er Deutsch. Zwei Jahre später musste das Geschäft schliessen. Und Ismaili brauchte einen neuen Job. Das war nicht ganz einfach. Bei einer Bewerbung bekam er eine Absage mit der Begründung: «Wir wollen keine Jugos. Die sind alle gleich.» Ismaili fühlte sich angegriffen und meinte: «Ich bin kein Jugo, ich bin Albaner.» Er hatte die Vorurteile, die man gegen seine Landsleute hatte, satt und wollte beweisen, dass diese Vorurteile unberechtigt sind. Er gab nicht auf und bekam eine Stelle in einem Hotel.
Dort arbeitete er zuerst in der Küche als Patissier. Sein Traum war allerdings, im Service zu arbeiten. Dazu meinte sein Chef aber: «Ich möchte nur Frauen im Service.» Als jedoch eines Winters eine Serviceangestellte ihr Bein gebrochen hatte, durfte Ismaili im Service einspringen und er überzeugte seinen Vorgesetzten von seinem Talent.
Ein Wagnis eingegangen
Bis 1999 lebte Ismaili in der Lenzerheide. Im Mai 1999 heiratete er seine grosse Liebe, Hanife Ismaili, und die beiden zogen mit ihren zwei Kindern nach St. Gallen. Als das Töchterchen Albana in den Kindergarten kam, sah Ismaili diese nur noch selten. Das wollte er ändern. Er suchte sich eine Arbeit ausserhalb der Gastronomie und wurde Maschinenführer. Doch sein Herz schlägt für das Gastgewerbe. Das wurde ihm im Jahr 2008 so richtig bewusst.
Trotz der Finanzkrise wagte er es zu kündigen und schon im Januar 2009 eröffnete er das Restaurant Park in Flawil. Den Koch des Restaurants hat er vor langer Zeit in der Lenzerheide kennengelernt, wo er auch mit ihm gearbeitet hatte. Das erklärt, weshalb man im Restaurant Park Bündner Spezialitäten geniessen kann. Die Familie Ismaili möchte die positiven Seiten von Albanien zeigen, wie die albanische Gastfreundschaft, die jeder Gast im «Park» zu spüren bekommt. Deshalb findet am 21. August 2010 ein albanischer Abend mit albanischen Köstlichkeiten statt.
Glücklich im «Park»
Trotz der Nachteile, die die Arbeit in der Gastronomie mit sich bringt, ist er überaus glücklich hier in Flawil und fühlt sich sehr gut integriert. Inzwischen haben er und seine Frau fünf Kinder, die jüngste Tochter ist kürzlich ein Jahr alt geworden. An diesem herrlichen Sommermorgen im «Park» ist sie der Liebling der Gäste und geniesst ihre volle Aufmerksamkeit.