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Anzeiger 16.7.10
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Gastgeber mit Leib und Seele

Seit Januar 2009 führt Qashif Ismaili zusammen mit seiner Frau das Restaurant Park mit grosser Leiden­schaft. Er ist Gastronom mit Leib und Seele.

Flawil. Es ist ein wunderschö­ner Sommermorgen. Auf der Terrasse des Restaurants Park gönnen sich die Gäste einen Kaffee oder ein erfrischendes Getränk. Auch «Oma», der ers­te Gast bei der Eröffnung des Restaurants, geniesst die Son­ne in ihrer Stammbeiz. «Sie ist so oft bei uns, dass sie schon zur Familie gehört. Deshalb nennen wir sie Oma», erzählt Qashif Ismaili.

Via Bündnerland nach Flawil

Wer schon im Restaurant Park gegessen hat, mag sich wun­dern, weshalb ein albanischer Gastwirt Bündner Spezialitä­ten anbietet. Wer Qashif Is­mailis Geschichte kennt, weiss, warum dem so ist. Is­maili ist Albaner, er stammt aus Mazedonien. 1981 kam er zum ersten Mal in die Schweiz. Damals war er 16 Jahre alt. Es gefiel ihm sehr gut. Er musste aber zurück nach Mazedo­nien. Nachdem er den Militär­dienst geleistet hatte und die Tumulte in Mazedonien be­gonnen hatten, beschloss er, in die Schweiz auszuwandern. In Valbella arbeitete er zu­nächst als Hilfskraft in einer Bäckerei.

Dank der Hilfe seiner Arbeit­geber lernte er Deutsch. Zwei Jahre später musste das Ge­schäft schliessen. Und Ismaili brauchte einen neuen Job. Das war nicht ganz einfach. Bei einer Bewerbung bekam er eine Absage mit der Begrün­dung: «Wir wollen keine Jugos. Die sind alle gleich.» Ismaili fühlte sich angegriffen und meinte: «Ich bin kein Jugo, ich bin Albaner.» Er hatte die Vorurteile, die man gegen seine Landsleute hatte, satt und wollte beweisen, dass diese Vorurteile unberechtigt sind. Er gab nicht auf und be­kam eine Stelle in einem Hotel.

Dort arbeitete er zuerst in der Küche als Patissier. Sein Traum war allerdings, im Ser­vice zu arbeiten. Dazu meinte sein Chef aber: «Ich möchte nur Frauen im Service.» Als je­doch eines Winters eine Servi­ceangestellte ihr Bein gebro­chen hatte, durfte Ismaili im Service einspringen und er überzeugte seinen Vorgesetz­ten von seinem Talent.

Ein Wagnis eingegangen

Bis 1999 lebte Ismaili in der Lenzerheide. Im Mai 1999 hei­ratete er seine grosse Liebe, Hanife Ismaili, und die beiden zogen mit ihren zwei Kindern nach St. Gallen. Als das Töchterchen Albana in den Kinder­garten kam, sah Ismaili diese nur noch selten. Das wollte er ändern. Er suchte sich eine Ar­beit ausserhalb der Gastrono­mie und wurde Maschinen­führer. Doch sein Herz schlägt für das Gastgewerbe. Das wur­de ihm im Jahr 2008 so richtig bewusst.

Trotz der Finanzkrise wagte er es zu kündigen und schon im Januar 2009 eröffnete er das Restaurant Park in Flawil. Den Koch des Restaurants hat er vor langer Zeit in der Lenzer­heide kennengelernt, wo er auch mit ihm gearbeitet hatte. Das erklärt, weshalb man im Restaurant Park Bündner Spe­zialitäten geniessen kann. Die Familie Ismaili möchte die po­sitiven Seiten von Albanien zeigen, wie die albanische Gastfreundschaft, die jeder Gast im «Park» zu spüren be­kommt. Deshalb findet am 21. August 2010 ein albanischer Abend mit albanischen Köst­lichkeiten statt.

Glücklich im «Park»

Trotz der Nachteile, die die Ar­beit in der Gastronomie mit sich bringt, ist er überaus glücklich hier in Flawil und fühlt sich sehr gut integriert. Inzwischen haben er und sei­ne Frau fünf Kinder, die jüngs­te Tochter ist kürzlich ein Jahr alt geworden. An diesem herr­lichen Sommermorgen im «Park» ist sie der Liebling der Gäste und geniesst ihre volle Aufmerksamkeit.

Annina Niedermann